Rundgang durch das Zentrum der Stadt Opava

Geschätzte Zeit des Fußgängerrundgangs ohne Führung: 60-90 Minuten.

1. HLÁSKA

Der Stadtturm, heute Hláska, früher Uhrenturm oder Schmetterhaus genannt, war das älteste Handelszentrum der Stadt. Von diesem Turm wurden Feuer gemeldet, Märkte und Feste verkündet und eröffnet, im ersten Geschoss tagten das Stadtgericht und der Stadtrat. Der alte, hölzerne Turm wurde 1561 durch Sturmwind und Feuer zerstört und 1614–1618 durch einen neuen, von dem Baumeister Christof Prochhuber gebauten, viereckigen Turm aus Stein und Backstein ersetzt, der von einer dreigeschossigen Haube abgeschlossen war. In dieser Haube wurde 1618 eine Glocke von dem Glockengießer Sturm angebracht. Die heutige Gestalt erhielt Hláska nach dem letzten großen Umbau von 1902–1903. Der Architekt Rudolf Srnetz verband moderne und historisierende Elemente zu einem harmonischen Ganzen. Im Erdgeschoss des Turms befanden sich ein Kaffeehaus und eine Bank, im ersten Geschoss war ein Museum untergebracht. Heute ist Hláska Sitz des Magistrats von Opava.

2. SCHLESICHES THEATER

Der Grundstein des Schlesischen Theaters wurde am 1. Mai 1804 gelegt und der Bau wurde am 1. Oktober 1805 abgeschlossen. Das Theatergebäude wurde 1882–1883 nach den Plänen von Eduard Labitzky grundlegend umgebaut und sein Interieur wurde nach dem Brand von 1909 von Ferdinand Moser umgestaltet. Die Fassade wurde 1945 umgestaltet. 1957 wurde das Verwaltungsgebäude hinzugebaut. Die ursprüngliche, reich geschmückte Fassade im historisierenden Stil wurde 1990–1992 während der Generalsanierung wiederhergestellt. Heute hat das Schlesische Theater ein Opern- und ein Schauspielensemble.

3. KONKATHEDRALE MARIÄ HIMMELFAHRT

Die Konkathedrale Mariä Himmelfahrt ist das bedeutendste gotische Bauwerk in Opava. Sie wurde im 14. Jahrhundert vom Deutschritterorden gebaut. Das Gebäude mit mächtigem Steildach, Südturm und unvollendetem Nordturm mit Zinne ist ein Beispiel der schlesischen Gotik (Backsteinbau mit Details aus Stein). Nach dem Brand von 1758 wurden das Schiffsgewölbe und das Interieur barock umgestaltet. Die Skulpturen wurden von Jan Schubert, die Gemälde von den Malern Raab, Leichner und Günter geschaffen. Von hervorragender Qualität ist der Grabstein für Karl I. von Liechtenstein, der 1767 von Georg Lehner geschaffen wurde.

4. KAUFHAUS BREDA

Das Kaufhaus Breda wurde 1927–1928 nach den Plänen des Wiener Architekten Leopold Bauer für die Firma Breda-Weinstein gebaut. Das fünfgeschossige Eckgebäude mit einem zweigeschossigen Souterrain hat eine gegliederte Fassade. Das Kaufhaus hatte eine für die damalige Zeit hochmoderne technische Ausstattung. Bei der Gestaltung des Gebäudes orientierte sich Leopold Bauer an der amerikanischen Architektur, vor allem an den Bauwerken von Henry Sullivan.

5. SPARKASSE

Das architektonisch interessante Gebäude der Sparkasse wurde 1900–1902 von Karl Kern im Stil der deutschen Neorenaissance gebaut. Die Fassade wird von den allegorischen Figuren der Landwirtschaft, des Handwerks und des Handels, einem Werk des Wiener Bildhauers Franz Baumgartner, geschmückt. 2004 wurde das Gebäude mit großem Erfolg generalsaniert.

6. REKTORATSGEBÄUDE DER SCHLESISCHEN UNIVERSITÄT OPAVA

Das Gebäude mit Empirefassade, das 1914 nach den Plänen von Alfred von Stutterheim gebaut worden war, diente fast 90 Jahre lang als Militärkommandantur, Kasino und Militärklub. 2001–2003 wurde das Objekt zum Rektorat der Schlesischen Universität Opava umgebaut.

7. ELISABETHKAPELLE

Die ursprünglich gotische Kapelle wurde von dem Deutschritterorden gebaut. Drinnen hat sich ein Bild der heiligen Elisabeth von Thüringen, gemalt von F. I. Leichner, erhalten. Das Gebäude war zunächst eine Begräbniskapelle und wurde später barock umgestaltet. Heute wird die Kapelle von der orthodoxen Kirche genutzt.

8. HAUS VON MATICE OPAVSKÁ

Das Haus wurde 1880 für den Bürgerverein Matice opavská, eine Vorgängerorganisation des heutigen Vereins Matice slezská, gekauft, und zwar mit den Mitteln, die von Privatstiftungen und Vereinsmitgliedern gespendet worden waren. Heute konzentriert sich Matice slezská auf die Aufklärungs-, Bildungs-, Ausstellungs- und Kulturaktivitäten.

9. FRANZISKANERKLOSTER UND ST.-BARBARA-KIRCHE

Das ehemalige Franziskanerkloster wurde 1665 vom Grafen Heinrich von Würben gegründet. Ein Bestandteil des Klosters war auch die St.-Barbara-Kirche. Nachdem das Kloster aufgehoben worden war, diente sein Gebäude als Lagerraum und später als Krankenhaus. Heute wird das Klostergebäude vom Schlesischen Landesmuseum in Opava genutzt.

10. GEMEINDEHAUS

Die Dominante der Ostrožná-Straße ist ohne Zweifel das Gemeindehaus, ursprünglich eine Filiale der Österreichisch-ungarischen Bank, die diesen Platz 1911 erworben hat. Das Projekt des Architekten Rudolf Eisler sieht ein neobarockes Gebäude mit neoklassizistischen Elementen vor. Dekorative Elemente wie die Skulpturen von Merkur und Ceres auf dem Balkon des zweiten Geschosses, die mächtigen Säulen an der Vorderfassade oder die massive, mit Schnitzereien verzierte Eingangstür unterstreichen die reiche Gliederung des Gebäudes. Ebenso großzügig wurde das Interieur gestaltet. 2009 fand ein grundlegender Umbau des ehemaligen Bankhauses zu einem öffentlichen Kulturhaus statt, wobei der historische Wert des Gebäudes erhalten werden konnte.

11. MINORITENKLOSTER UND HEILIG-GEIST-KIRCHE

Die Heilig-Geist-Kirche war bereits vor 1269 gebaut worden, während das Kloster erst um 1300 hinzugebaut wurde. Die gotische, ursprünglich wohl zweischiffige Kirche wurde im 17. Jahrhundert zu einer einschiffigen Kirche mit mehreren Seitenkapellen umgebaut. Der Orgel, der sich in der Kirche befindet, wurde von Ludwig van Beethoven während seines Aufenthalts in Opava benutzt. Im anliegenden Klostergebäude sind bis heute der gotische Kapitelsaal und das Winterrefektorium mit Fresken aus dem 18. Jahrhundert erhalten geblieben. In dem Klostergebäude waren abwechselnd Militärspital, Landesgericht, Landesfinanzdirektorium, Steuerverwaltung, Schulbehörden u.a. untergebracht. Seit dem 16. Jahrhundert tagten hier der Fürstentag und das Standesgericht des Herzogtums Troppau. Auch die Landtafel wurde hier aufbewahrt.

12. SOBEK - PALAIS

Der Barockpalast wurde 1733 von Karl Josef Rogoysky von Rogoznik an der Stelle von drei älteren Häusern gebaut. Nach dem Brand von 1758 wurde der Palast wiederaufgebaut. Das Gebäude hat ein mit Bildhauerdekor geschmücktes Pfeilerportal, das einen Balkon mit Rokokogitter trägt. Im Erdgeschoss haben sich bis heute Barockgewölbe erhalten. Am Ende des 19. Jahrhunderts befand sich der Palast im Besitz des Grafen Sternberg. Heute ist der Palast Sitz einer Privatfirma.

13. BLÜCHER - PALAIS

Der Barockpalast wurde 1737 an der Stelle von drei älteren Häusern gebaut. 1800 ging er an den Grafen Larisch-Mönnich über, dessen Tochter G. Blücher heiratete. 1932–1938 war der Palast Sitz des Tschechoslowakischen Landwirtschaftsmuseums. Heute wird der Palast vom Schlesischen Landesmuseum als Depositraum genutzt.

14. PETR - BEZRUČ -BIBLIOTHEK

Das Gebäude der Bibliothek wurde mitsamt dem Interieur von dem Architekten Leopold Bauer entworfen. Die sechszehn Sandsteinreliefs sowie die Skulpturen über dem Eingang wurden von dem Bildhauer Josef Obeth geschaffen. Außer der Bibliothek ist im Gebäude die Handelskammer untergebracht, für die das Haus vor mehr als einem Jahrhundert gebaut wurde. In der großen Halle werden Orgelkonzerte veranstaltet.

15. JOHANNITERKIRCHE

1431–1451 bauten die Johanniter in Opava eine kleine, spätgotische Kirche. 1689–1704 wurde diese Kirche nach einem großen Brand im Barockstil wiederaufgebaut. Der Turm der Kirche wurde mehrmals umgebaut.

16. SCHLESISCHES LANDESMUSEUM

Opava hat das älteste Museum auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Es wurde am 1. Mai 1814 als Gymnasialmuseum gegründet. Das Ausstellungsgebäude im Stil der Neorenaissance, das mit einer Kuppel abgeschlossen ist, wurde 1893–1895 von der Firma Julius Lundwal gebaut, und zwar nach den Plänen der Wiener Architekten Johann Scheringer und Franz Kachler. Bei den Befreiungskämpfen am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Ausstellungsgebäude schwer beschädigt und musste wiederaufgebaut werden. Die Kuppel, an der sich die Skulptur eines Genies befindet, konnte erst 1984 wiederhergestellt werden. Heute zeigt die Exposition „Schlesien“ den Besuchern zahlreiche Gegenstände und Themen, die von dem Natur- und Kulturreichtum Schlesiens zeugen.

17. MÜLLER-HAUS

1726 auf dem Gelände des heute nicht mehr bestehenden Schlosses der Liechtensteiner gebaut. Das Haus diente dem Schlossverwalter als Dienstwohnung. Das frei stehende, eingeschossige Gebäude hat ein Walmdach mit Dachgauben sowie eine Fassade mit Fensterzargen aus Stuck. Heute ist in dem Haus die archäologische Arbeitsstätte des Schlesischen Landesmuseums untergebracht.

18. ST.-ADALBERT-KIRCHE

1676–1681 bauten die Jesuiten an der Stelle einer kleinen, gotischen Kirche eine imposante Barockkirche, die vom Architekten Jacopo Brascha nach dem Vorbild der römischen Kirche Il Gesu entworfen worden war. Die triumphalistische, mit den jesuitischen Heiligen geschmückte Fassade der neuen Kirche sollte den wiedererstarkten katholischen Glauben in Opava symbolisieren. Die Fresken wurden von František Eckstein gemalt, 1945 aber größtenteils zerstört. Vor der Kirche befindet sich eine barocke Pestsäule, die 1675 vom Grafen Heinrich von Würben in Auftrag gegeben wurde.

19. HAUS ZUM WEIßEN RÖSSL

Ein Bürgerhaus aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, mit einem typisch breiten, gewölbten Eingangsmaßhaus. Im Haus wohnte u.a. Jan Zacpal, Redakteur der Zeitung „Opavský týdeník“. Unter dem schönen Gewölbe des Maßhauses befindet sich heute eine stilvolle Bierstube.

20. DOMINIKANERKLOSTER UND ST.-WENZEL-KIRCHE

Kloster und Kirche, ursprünglich im gotischen Stil gebaut, wurden wahrscheinlich 1291 vom Troppauer Herzog Nikolaus I., einem Sohn des böhmischen Königs Přemysl Otakar II., gegründet. Der Bau wurde jedoch erst unter Nikolaus II. vollendet. Die Kirche wurde 1336 vom Olmützer Bischof Jan III. Volek dem heiligen Wenzel, dem Stammheiligen der Přemysliden, geweiht. Mit ihren 19 Altären und zwei Kapellen gehörte die St.-Wenzel-Kirche zu den größten und reichsten Kirchen der Stadt. Aus dieser Zeit ist bis heute die gotische Kapelle des heiligen Dominik mit einigen Fresken erhalten geblieben. Kloster und Kirche wurden mehrmals durch Feuer beschädigt und umgebaut. 1732–1735 wurde die dreischiffige Basilika mit einem einschiffigen, geschlossenen Chor barock umgestaltet. Sie wurde mit den Fresken von J. I. Deepe, K. F. Samback und M. Schwagel ausgeschmückt, die die Szenen aus dem Leben des heiligen Wenzel darstellen. Unter Josef II. wurde die Basilika als Militärlagerraum genutzt und im Gebäude des ehemaligen Klosters war eine niedere Realschule untergebracht. Eine grundlegende Sanierung fand erst in den 1960er Jahren statt und in den sanierten Gebäudekomplex zogen eine Kunstgrundschule, das Haus der Künste und eine Weinstube ein. Heute wird der Gebäudekomplex als Galerie und Konzertsaal genutzt. Auf dem Platz vor dem Haus der Künste befindet sich die Skulptur des Laufenden Mädchens, die 1975 von dem Bildhauer Kurt Gebauer geschaffen wurde.

21. HAUS ZUM MOHREN

Eines von nur zwei Häusern zwischen dem Ober- und dem Niederring, die die Kriegsereignisse vom Frühling 1945 überlebt haben. Das Haus hat einen frühbarocken Kern, die Fassade stammt aus dem Jahr 1730 und ist mit Stuck und Medaillons mit Adlern und Kaiserporträts geschmückt. Über der Attika erheben sich die Büsten von zwei Mohren und den antiken Göttern Pallas Athene und Ares. Im Haus befand sich ursprünglich die Apotheke „Zum Mohren“.

22. GOTTES ECKE

Das alte Haus Nr. 53, genannt Gottes Ecke, entstand durch die Verbindung von zwei älteren Häusern, von denen das nördliche im Stil der Spätgotik und das südliche im Stil der Renaissance gebaut worden war. Die Maßhäuser haben sich sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten Geschoss erhalten. Im ersten Geschoss hat sich außerdem eine Balkendecke mit Gemälden aus dem 17. Jahrhundert erhalten. Das Haus wird heute als Geschäftsraum genutzt.